Wie kommt es zu einem Unfall an einer Maschine oder Anlage? Beispiele und wie man diese Unfallursachen bekämpfen kann, sind hier zusammengestellt.
Unfall am Teigteiler
Ein Mitarbeiter wollte Teigreste an einer Sensor-/Lichtschranke einer Teigverarbeitungsmaschine entfernen. Obwohl für solche Arbeiten ein vollständiges Abschalten und das Herausfahren des Trichters vorgeschrieben waren, führte er die Reinigung bei laufender Anlage durch und nutzte eine improvisierte Aufstiegshilfe. Dadurch unterschritt er den Sicherheitsabstand und gelangte in den Gefahrenbereich.
Beim Entfernen der Anhaftungen aktivierte er unbeabsichtigt das nachgeschaltete Trennelement der Maschine. Seine Hand befand sich noch im Einzugspunkt, sodass zwei Finger erfasst und teilweise abgetrennt wurden.
Maßnahmen: Ähnliche Unfälle präventiv verhindern
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Unfalldiskussion und Unterweisung mit Beschäftigten und Linienführern im Bereich der Kopfmaschinen
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Beseitigung von Anreizen zum Aufstieg zu Gefahrenbereichen
Keine PSA getragen: Schnittschutzhandschuhe
Ein Angestellter wollte die Formrolle aus der Maschine zum Formen von Gebäck ausbauen. Dabei ist er mit der Hand an das fest verbaute Messer gekommen. Er erlitt eine Schnittverletzung und mehrere Sehnen wurden durchtrennt. Er hatte keine Schnittschutzhandschuhe getragen.
Maßnahmen: Ähnliche Unfälle präventiv verhindern
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Gefährdungsbeurteilung anpassen
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nötige PSA (Persönliche Schutzausrüstung, hier: Schnittschutzhandschuhe) bereitstellen
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen gibt es auf der Themenseite Gefährdungsbeurteilung zum Nachlesen.
Quetschverletzung am Spiralkneter
Eine Mitarbeiterin hatte die Aufgabe, einen Spiralkneter zu reinigen. Während dieser Tätigkeit betätigte sie den Rückwärtsgang über eine Befehlseinrichtung mit selbsttätiger Rückstellung (Tipptaster), welcher auch bei geöffnetem Deckel aktiviert werden kann. Dabei gerieten der Zeige- und Mittelfinger der linken Hand zwischen Knethaken und Bottichwand. Ihr Zeige- und Mittelfinger wurden gequetscht.
Der Spiralkneter entsprach der Norm, die Abschaltung der laufenden Maschine durch Öffnen des Deckels funktionierte fehlerfrei. Um die Teigentnahme zu vereinfachen, hat das betroffene Modell die Möglichkeit, das Knetwerkzeug auch bei geöffnetem Deckel zu bewegen. Diese Funktion ist nur durch einen Tipptaster aktivierbar und führt zu einer Rotationsbewegung entgegen der Bewegungsrichtung mit niediger Geschwindigkeit.
Maßnahmen: Ähnliche Unfälle präventiv verhindern
Die Maschine entsprach der Norm. Durch den Tippbetrieb ist jedoch eine „Restgefährdung“ gegeben.
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Betriebsanweisung für die Reinigung der Maschine
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Unterweisung mit Nachweis
Das Handling bei der Reinigung wurde nochmal anlassbezogen thematisiert.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen enthält die ASI 2.11 Teigknetmaschinen.
Reinigung einer Wirktrommel bei laufender Maschine
Ein Mitarbeiter führte am Auslauf der Wirktrommel einer Brötchenanlage Reinigungsarbeiten bei laufender Maschine durch. Dabei geriet er mit dem ersten Fingerglied des Ringfingers in die nach unten wegdrehende Arbeitskammer der Wirktrommel. Das erste Fingerglied wurde dabei abgeschert.
Die Oberseite des Messkolbens in der Arbeitskammer und die Oberfläche der Wirktrommel schlossen nach dem Ausstoßen des Produktes aufgrund einer technischen Unzulänglichkeit der Maschine nicht bündig ab, sodass die betreffende Scherstelle entstand.
Maßnahmen: Ähnliche Unfälle präventiv verhindern
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Wirktrommel und die Stößel instandsetzen, sodass sie bündig abschließen
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Gefährdungsbeurteilung erstellen, in der verschiedene Tätigkeiten und Betriebszustände der Maschine erfasst sind
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Reinigung so anpassen, dass sie nicht bei laufender Maschine erfolgt.
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Betriebsanweisung für Reinigung der Maschine erstellen