Die Auswahl geeigneter Chemikalienschutzhandschuhe ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Neben der Beständigkeit gegenüber den eingesetzten Chemikalien sind auch weitere Aspekte wie die Hautverträglichkeit, Griffsicherheit und Fingerfertigkeit zu berücksichtigen. Die Angaben zur Chemikalienbeständigkeit eines Handschuhs enthält die Kennzeichnung auf dem Handschuh. Auch die Verpackung und die Benutzeranleitung enthalten wichtige Hinweise zu den Schutzeigenschaften.
Normen und Kennzeichnung von Chemikalienschutzhandschuhen
Bei der Kennzeichnung von Chemikalienschutzhandschuhen gibt es das Erlenmeyerkolben-Piktogramm, ergänzt durch die Typisierung A, B oder C.
Typ A: Chemikalienschutzhandschuh weist eine Permeationsbeständigkeit von mindestens jeweils 30 Minuten bei mindestens sechs Prüfchemikalien auf.
Typ B: Chemikalienschutzhandschuh weist eine Permeationsbeständigkeit von mindestens jeweils 30 Minuten bei mindestens drei Prüfchemikalien auf.
Typ C: Chemikalienschutzhandschuh weist eine Permeationsbeständigkeit von mindestens 10 Minuten bei mindestens einer Prüfchemikalie auf.
Was ist „Permeation"?
Permeation bezeichnet hier das Durchdringen von Chemikalien durch das Handschuhmaterial auf molekularer Ebene.
Schutzhandschuhe werden hinsichtlich der Permeation in die drei Typen A, B und C eingeteilt. Die Typangabe ist Bestandteil der neuen Kennzeichnung und steht über dem Erlenmeyerkolben-Piktogramm.
Liste der Prüfchemikalien
Die Liste der Prüfchemikalien umfasst 18 Chemikalien (A–T).
| Kennbuchstabe | Prüfchemikalie |
|---|---|
| A | Methanol |
| B | Aceton |
| C | Acetonitril |
| D | Dichlormethan |
| E | Kohlenstoffdisulfid |
| F | Toluol |
| G | Diethylamin |
| H | Tetrahydrofuran |
| I | Ethylacetat |
| J | n-Heptan |
| K | Natriumhydroxid 40 % |
| L | Schwefelsäure 96 % |
| M | Salpetersäure 65 % |
| N | Essigsäure 99 % |
| O | Ammoniakwasser 25 % |
| P | Wasserstoffperoxid 30 % |
| S | Flusssäure 40 % |
| T | Formaldehyd 37 % |
Die „Informationen des Herstellers“ enthalten Warnhinweise. Hersteller müssen Degradationstests durchführen. Degradationstest bedeutet: Dieser neu eingeführte Test soll Aussagen liefern, wie sich das Handschuhmaterial und damit seine Barrierefunktion unter der Einwirkung von Chemikalien verändert. Ursächlich für diese Veränderungen können Versprödung, Quellung oder Schrumpfung des Materials sein. Das Ergebnis des Degradationstests muss in der Benutzeranleitung angegeben werden.
Warnhinweise in Benutzeranleitung
Die Warnhinweise in der Benutzeranleitung nehmen die Benutzerinnen und Benutzer in die Pflicht, auch eine Eignungsprüfung durchzuführen. So heißt es dort z. B.: „Diese Information macht keine Angaben zur tatsächlichen Schutzdauer am Arbeitsplatz und zur Unterscheidung von Gemischen und reinen Chemikalien.“ Oder: „Es wird eine Überprüfung empfohlen, ob die Handschuhe für die vorgesehene Verwendung geeignet sind, da die Bedingungen am Arbeitsplatz in Abhängigkeit von Temperatur, Abrieb und Degradation von denen der Typprüfung abweichen können.“
Gibt es einen Universalhandschuh für die Arbeit mit Chemikalien?
Nein, die Auswahl geeigneter Handschuhe muss individuell auf die betrieblichen Erfordernisse abgestimmt erfolgen. Wichtig ist, dass man bei der Gefährdungsbeurteilung alle bei der Tätigkeit vorkommenden Gefahrstoffe ermittelt hat.
Ob nun ein Schutzhandschuh gegenüber drei oder sechs Chemikalien mindestens 30 Minuten beständig ist, stellt nur dann einen Vorteil dar, wenn genau diese sechs Chemikalien im Betrieb auch zum Einsatz kommen (Gemische sind jedoch ausgenommen).